EnEV – KfW – Passivhaus & Co

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Die alten Deutschen kannten eine Heizung nicht, sie gingen bei strenger Kälte luftig und frei; nie brauchten sie einen Arzt und doch wurden sie hundert Jahre alt (…). Wie steht es in Deutschland mit der Abhärtung ? Vom 15. Oktober bis 1. Mai heizt man die Zimmer. Und wie steht es mit der Außenluft, besonders in den Großstädten ?

(gefunden in: Dr. Schacht, Die Brennstoffwirtschaft vom hygienischen Standpunkt aus, Deutsche Bergwerkszeitung, Essen, 1921, S. 9)

ARCHITEKTUR  und  ENERGIE – die Begriffe

EnEV
Die EnEV (Energie-Einsparverordnung) ist eine Verordnung des Bundes. Die EnEV hat mit der Einhaltung von Mindeststandards beheizter Gebäude im Wohnungs- und Nichtwohnungsbau zu tun und erstreckt sich auf Neu- und Bestandsbauten. Die Wärmeverlustkennzahlen (U-Werte in kWh/m²*a für die Bauteile der gedämmten Gebäudehülle) sind absolute Obergrenzen, diese können einer der EnEV anhängenden Tabelle entnommen werden. Die Qualitätskriterien Primärenergiebedarf und Transmissionswärmeverlust stellen keine starren Grenzwerte dar, sondern sind durch das so genannte EnEV-Referenzgebäude in Abhängigkeit zum Entwurf des zu betrachtenden Gebäudes mit dem EnEV-Rechenprogramm zu ermitteln. Mit dem Referenzgebäude wird der theoretisch für den jeweiligen Entwurf zulässige Anforderungswert (Primärenergiebedarf und Transmissionswärmeverlust) ermittelt – der EnEV-Mindeststandard.

KfW
Die KfW – Kreditanstalt für Wiederaufbau – vergibt keine Normen oder Verordnungen, sondern Fördergelder des Bundes für energetisch  ambitioniertere Bauvorhaben, als diese durch die EnEV vorgeschrieben sind. Diese Fördergelder sind in der Regel zinsgünstige Darlehen (zur  Zeit 100.000,- Euro pro Wohneinheit im Neubau), zum Teil noch ergänzt durch Tilgungskostenzuschüsse, die nicht zurück gezahlt werden müssen.  Die KfW-Kredite werden über die Gesamtfinanzierung bei der jeweiligen Hausbank beantragt. Seit April 2016 werden nur noch KfW-55 und KfW-40-Standards gefördert, KfW-70 ist aus dem Programm gestrichen worden. Die Anträge bearbeitet ein bei der KfW gelisteter Sachverständiger, der über uns vermittelt werden kann.

Näheres erfahren Sie unter http://www.kfw.de.

KfW- 55 oder KfW-40 – was bedeuten diese Zahlen?
Das oben unter EnEV genannte Referenzgebäude entspricht dem gesetzlichen Mindeststandard (100%) in Bezug auf den Primärenergiebedarf und dem Transmissionswärmeverlust. Der KfW-55-Standard unterschreitet diese 100% um 45% – liegt also bei 55% des Neubaustandards. Das ist sehr gut, es geht aber noch besser – KfW-40 unterschreitet den Standard um 60%, daher KfW-40.

KfW- 40 – plus
Ein KfW-40-Haus weist bereits einen sehr geringen Energiebedarf aus. Ziel vieler AuftraggeberInnen und PlanerInnen ist, auch den Stromverbrauch zu minimieren und den Strombezug möglichst auf die sonnenreiche Tageszeit zu legen, so dass die Stromnetze entlastet werden und ein möglichst hoher Anteil an (eigenem) Solarstrom lokal verwendet werden kann.  Dies ist nicht immer möglich (Beleuchtung, Heizung…), daher sind Stromspeichertechniken auf dem Markt, die die KfW mit dem KfW-40-plus-Modell besonders fördert.

Passivhaus
1992, vor 25 Jahren,  wurde das erste Passivhaus in Darmstadt Kranichstein gebaut. Noch heute wird es durch das Passivhaus-Institut wissenschaftlich begleitet, Erfahrungen und Messergebnisse werden publiziert. Inzwischen sind laut unverbindlicher Schätzung der IG Passivhaus in Deutschland über 30.000 Passivhäuser oder –wohnungen entstanden, weltweit sind es über 65.000.

(Stand 2016, Quelle: www.ig-passivhaus.de)

Der Passivhausstandard (inzwischen für fast alle Bauaufgaben im Wohnungs- und Nichtwohnungsbau umgesetzt) ist durch folgende Kriterien definiert:

  1.  weniger als 15 kWh/m²*a Jahresheizwärmebedarf
  2.  U-Wert opaker Außenbauteile unter 0,15 W/m²*K (Dach, Wand, Bodenplatte…)
  3.  U-Wert von Fenstern (Glas und Rahmen zusammen) < 0,8 W/m²*K (Passivhausfenster)
  4.  Komfort-Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
  5.  Luftdichtheit der Gebäudehülle bei 50 Pascal Über-/ Unterdruck von 0,6 Hausvolumen/ Stunde (EnEV-Mindestwert für Gebäude mit Lüftungsanlagen = 1,5), Nachweis über Blower-Door-Test
  6.  Wärmebrückenfreie Konstruktion der Gebäudehülle

Passivhäuser können vom Passivhaus-Institut oder anderen Institutionen auf Wunsch zertifiziert werden.

(Quelle: Passivhaus-Institut, www.passiv.de)

Sonnenhaus
Das Bauen mit der Sonne gibt es natürlich seit Jahrzehnten. Unter dem „Sonnenhaus“ versteht man einen Gebäudestandard, der eine ähnlich gut gedämmte Gebäudehülle aufweist wie ein Passivhaus. Die Sonnenenergie wird durch aktive und passive Systeme in einem Maß genutzt, dass nur noch ein sehr geringer Zuheizungsbedarf erforderlich wird, der zumeist mit einem kleinen Pellets- oder Stückholzofen erzeugt wird. Sonnenhäuser haben sehr große thermische Solarkollektoren und sehr große Warmwasser-Pufferspeicher, die eine solare Warmwasser- und Heizungsabdeckung von mindestens 50%, oft deutlich mehr, gewährleisten. Sonnenhäuser erreichen sehr leicht den Null- oder Plusenergiestandard.

(Quelle: www.sonnenhaus-institut.de)

Null-/ Plusenergiehaus
Bereits seit mehreren Jahren werden Nullenergie- oder Plusenergiestandards erreicht. Gemeint ist damit nicht, dass diese Gebäude gar keine Energie mehr benötigen. Vielmehr erzeugen diese Gebäude selbst (Primär-)Energie, welche mit dem Bedarf verrechnet wird. Wird ein Überschuss generiert, spricht man von einem Plusenergiehaus. Die Basis dafür ist zumeist eine ähnlich hochwertige Gebäudehülle wie beim Passivhaus. Als Ausgangsbasis muss der Heizwärmebedarf möglichst niedrig sein. Der „Restwärmebedarf“ für Heizung, Warmwasser und Strom sollte mit Energie aus nachwachsenden Rohstoffen bereit gestellt werden. Während das Sonnenhaus die Restwärme aus Solarenergie bereitstellt, ist der Energieträger der Restwärmeerzeugung bei den anderen Energiestandards

Die Vorteile energetisch vernünftig geplanter und realisierter Bauten:

  • sehr gute Luftqualität in allen Aufenthaltsräumen durch kontrollierte Be- und Entlüftung
  • verbesserter Schallschutz im Inneren, auch weil die Fenster in der Heizperiode geschlossen bleiben können
  • sehr niedrige „Heizkosten“ von etwa 3,- – 5,- Euro pro Jahr und Quadratmeter Nutzfläche, je nach System
  • Berücksichtigung interner Wärmequellen (Menschen, Haushaltsgeräte…)
  • guter Bautenschutz, da kein Feuchteeintrag
  • zinsgünstige KfW-Darlehen
  • deutliche Entlastung der Umwelt
  • Erreichen der von der Bundesregierung beschlossenen Klimaschutzziele bis 2050

Gestaltungsmerkmale energetisch hochwertiger Entwürfe:

  • möglichst kompakten Baukörper anstreben
  • Lage auf dem Grundstück weitgehend verschattungsfrei
  • bestimmter Glasanteil in den Fassaden (Nord/ Süd/ Ost/ West)
  • zonierter Grundriss, Aufenthaltsräume nach Süden
  • hochgedämmte Bodenplatte
  • unterkellert oder nicht unterkellert
  • größere Fensterflächen mit Sonnenschutz versehen
  • Wintergärten nur thermisch getrennt von Gebäudehülle
  • Lüftungs- und Wärmeverteilungskonzept bereits in der Planung berücksichtigen

FAZIT

Kein beheiztes Gebäude sollte mehr Energie benötigen, als unbedingt erforderlich, soweit dies mit zumutbarem Investitionsaufwand zu erreichen ist. Die benötigte Heizwärme soll möglichst aus regenerativen Energien gewonnen werden, die wiederum möglichst vor Ort erzeugt werden kann.

Energetisch hochwertiges Bauen bei Einsatz ökologisch unbedenklicher Baustoffe, möglichst aus nachwachsenden Rohstoffen, erhöhen die Wohnqualität und steigern das Wohlbefinden.

Der energetische Standard ist aber letztlich einer von mehreren Aspekten, die es zu berücksichtigen gilt. Auf dem Weg zum besten Entwurfsergebnis wird das Thema Energie von uns jedoch integral betrachtet und im Planungsprozess mit unseren beteiligten Fachingenieuren optimal umgesetzt.

Microsoft PowerPoint - F+B_Analyse der Baukosten_Endergebnisse_2

KfW-40-Häuser der j+n Architekten

Passivhäuser der j+n Architekten

Plusenergiehäuser der j+n Architekten

Informationen und Downloads

Link   Wohnen im Niedrigstenergie-/ Passivhaus
– Tipps für Eigentümer und Nutzer

Link   Kontrollierte Wohnungslüftung
mit Wärmerückgewinnung

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