Architektur-
vermittlung









Kinder zum Olymp! Selbstverständlich! Kulturelle Bildung in der Schule


Die Bildungsinitiative Kinder zum Olymp! ist ein Projekt der Kulturstiftung der Länder. Der 5. Kinder zum Olymp!-Kongress fand am 23. und 24. Juni 2011 in der Bauhausstadt Dessau statt. Thema der Tagung war die Kulturelle Bildung in der Schule.



Martina Nadansky hat in Forum 8 eine Schauunterrichtsstunde zur Architektur mit dem Thema "Haufischzahn und Eiffelturm" live mit einer 4. Klasse der Grundschule Dessau- Rodleben durchgeführt. 2 Experimente standen dabei im Mittelpunkt:

Experiment 1 Muscheln und Schneckenhäuser
Aus den formal unterschiedlichen, sehr komplex aufgebauten Muscheln und Schneckenhäusern (=Kalkbehausungen) haben wir verschiedene Gemeinsamkeiten abgeleitet:
- gekrümmte (‚organische’) Formen umhüllen das weiche Innenleben und schützen es
- zur Stabilisierung des Materials haben sich Auffaltungen und Knicke gebildet
- die Gehäuse sind nach einer Seite offen
- sie entstehen durch Wachstum und haben so etwas mit ihrem Bewohnern zu tun
- sie sehen alle ‚schön’ aus, d.h. sie berühren unser ästhetisches Empfinden
[Bild Schatzkiste Muscheln + Schneckenhäuser]
Alle Aspekte spielen auch in der Architektur eine große Rolle. Wir schützen mit unseren Häusern das Innere, entwickeln geeignetes Material und freuen uns auch an der Ästhetik der Häuser, die außerdem etwas mit uns zu tun haben.

Wir kommt man nun zu organischen Formen in einem einfachen Experiment? Dazu nehmen wir Papier und dünne Pappe (ca. A4- Format) in verschiedenen Größen, Stärken und Farben und schneiden es mit dem Cutter ca. 20-20 mal parallel ein, dabei den Rand mit ca. 1,0 cm stehen lassen. Nun kann gedreht, gefaltet, gefügt und geklebt werden. Es entstehen sehr schnell organische und ästhetisch sehr ansprechende räumliche Gebilde. [Bilder aus der Werkstatt] Die Frage, ob wir hier Architektur gebaut haben, wird von den Kindern mit JA beantwortet- schließlich haben wir organische Hüllen hergestellt. Und für wen? Die Assoziationen für die zart wirkenden aber dennoch formstabilen Gebilde reichen von Eisbärenhöhle über Spinnenversteck bis zum Mäusenest.

Experiment 2 Spinnennetze
Spinnennetze lassen sich schwer konservieren und einfangen. Schließlich ist ein Spinnennetz ja möglichst unsichtbar, damit es von den gefangenen Insekten nicht erkannt wird. Leicht zu bauen und schnell wieder herzustellen ist es außerdem- es ist also perfekt an seine Bestimmung angepasst. Trotz seiner Unsichtbarkeit ist es aber bei Kindern sehr bekannt, auch im Detail, etwa die Sache mit der klebrigen Fangspirale, die der Spinne selbst nicht zum Verhängnis wird, weil sie auf den unklebrigen Speichen des Netzes läuft. Und dann die Konstruktion. Um die Begriffe Zug- und Druckkonstruktion zu verdeutlichen, zeigen zwei Kinder an einer einfachen Paketschnur, was passiert, wenn man an ihr zieht (Zugkraft) und wenn man sie drückt (Druckkraft)- hier müsste eine Art Stange her . Diese beiden Kräfte wirken auch beim Zeltbau zusammen, der somit sehr viel mit dem Spinnennetzprinzip gemein hat- auch hier kann man auf die Erfahrung der Kinder bauen, gezeltet hat irgendwie jeder schon einmal. In der Architektur sind es die Seilnetzkonstruktionen und Zugkonstruktionen (= große Zeltkonstruktionen), die z.B. beim Olympiastadion in München zu einer spektakulären Gesamtform zusammengefunden haben- auch dieses Beispiel ist allen Kindern bekannt (obwohl übrigens nach Nachfrage noch niemand persönlich dort war).

Aus Schaschlikstäben, Plastiktrinkhalmen (=Zeltstange), Feinstrümpfen (=Zeltplane) und Pinnnadeln (=Heringe) haben wir kleine Zeltkonstruktionen im Modell gebaut. Ähnlich wie bei den Schneckenhäusern wird hier sofort metaphorisch gedacht- Zirkuszelt, Waldhütte und Tipi kommen als Begriffe und Fussballstadion sowieso.